1958 siedelte Erna Türck, noch vor dem Mauerbau, von Ost-Berlin in den Westen über. Als sie wenige Wochen später ihre Mutter im Osten zum Geburtstag besuchte, wurde sie in der Wohnung ihrer Eltern verhaftet. Es folgten Wochen in Einzelhaft mit quälenden Verhören. Drei Jahre saß sie wegen Spionage im Zuchthaus. Doch die erst Achtzehnjährige ließ sich nicht verbiegen. Sie lehnte Politunterricht ab, verweigerte auch die Zusammenarbeit mit der Stasi. Dafür bezahlte sie mit ständiger Verfolgung durch die Behörden, einem Leben als Tagelöhnerin und mit erneuter Haft in den siebziger Jahren. Seit dem Fall der Mauer lebt Erna Türck wie die große Mehrheit der SED-Opfer vom Existenzminimum. In ihren Stasi-Akten musste Erna Türck 1992 lesen, wer damals den entscheidenden Tipp für ihre Verhaftung gegeben hatte: Es war ihre Mutter.

Regie:
Bernd Reufels

Kamera:
Micha Bojanowski